Tarragona

efdler_tarragona_juliane_01Juliane Giersberg
aus Karlsruhe

Stadt/Land: Tarragona, Spanien

Aufnahmeorganisation:
Associació Proa

Projekttitel, Projektnummer:
Associació de Voluntaris del Tarragonès, 2006-ES-18

Bereich,Dienstzeit:
Health, Social exclusion (in general)., 15.05.2008 – 15.03.2009

Projekt:
The EVS is an experience for becoming more mature, for taking responsibilities in another country, in another language and learning to trust people one has never met. It creates a feeling of citizenship, of being actively involved in a project be it environmental, social or artistic. It creates a feeling of being European. This is our belief and our motivation to be part of the European Voluntary Service.

 

Mein European Voluntary Service
Zu jedem EVS gehört ein Ausreiseseminar zur Vorbereitung auf den Auslandsaufenthalt. Es findet meistens einen Monat vor Reiseantritt statt.
Hierfür fuhr ich in eine Jugendakademie in Nordrhein-Westfalen. Am ersten Tag stand Kennenlernen auf dem Tagesplan. Dazu gehört die Begrüßung des Leiters, die Namen der Teilnehmer spielerisch zu lernen und sein jeweiliges EVS auf Plakaten vorzustellen. [Die Gruppe entschloss sich dazu, nach dem Abendessen auch die Nacht in Köln dafür zu nutzen :)] Der zweite Tag begann nach dem Frühstück mit Rennspielen, um uns wach zu bekommen. Der restliche Tag wurde mit den Themen Konflikte (Entstehung und Lösungsmöglichkeiten) und Kulturen gefüllt.
Am letzten Tag haben wir unsere Ängste angesprochen und Lösungsmöglichkeiten dazu gesucht. Um in Kontakt bleiben zu können, schrieben wir eine Liste unserer E-Mailadressen, die dann kopiert wurde.

Ich entschied mich, meinen Europäischen Freiwilligendienst in Spanien in einem Altersheim zu machen. Mit meiner Chefin bin ich für die Animation der Bewohner zuständig. In den ersten Tagen erklärte sie mir, wie die kommenden Monate ablaufen würden.
Die Zeit von Oktober bis Juni machen wir mit den alten Damen und (wenigen) Herren Handarbeiten im Altersheim, zum Beispiel: Körbe flechten, aus Stoffquadraten einen Kissenbezug nähen, Mandalas ausmalen und Plakate für die nächsten Feiertage gestalten. Außerdem spielen wir mit ihnen Bingo, Domino und Karten, machen Kino für sie und lesen ihnen aus den Tageszeitungen vor. Einmal wöchentlich kommen zwei Hunde, mit denen wir ebenfalls Reaktionen und Fortschritte von Seiten der Betreuten erzielen. Neben der Animation gehört es auch zu unseren Aufgaben, die Leute aus den verschiedenen Etagen zur jeweiligen Aktivität zu holen, sie danach wieder zurückzubringen sowie die Aktivität vorzubereiten und wieder abzubauen / aufzuräumen.

efdler_tarragona_juliane_02In dem Zeitraum von Juni bis Oktober nutzen wir das wunderschöne Wetter, um mit den Leuten an die frische Luft zu gehen, da es den meisten nach der Sommersaison zu kalt draußen ist. Neben den fast täglich stattfindenden Ausflügen (mit verschiedenen kleinen Grup­pen) zu dem nahe geleg­enen Spielplatz, wo sie das Wetter genießen und unter anderem auch Kindern beim Spielen zuschauen können, besuchen wir Museen, bestimmte Plätze und gehen etwas trinken. Einmal die Woche kommen zwei Kleintransporter, die für Rollstühle ausgelegt sind, um uns zu einem etwas entfernteren Strand zu bringen, wo sich dann einige die Füßchen baden und in Erinnerungen schwelgen können.

Einen Monat nach Beginn meines Projektes in Spanien hatte ich das Einreiseseminar, das wie das Ausreiseseminar zu jedem EFD dazugehört. Es fand knapp 200 Kilometer von meiner Projektstadt entfernt statt und bezog sich auf dieselben Themen wie das erste Seminar, dauerte jedoch eine Woche. In diesem Seminar machten wir (diesmal Freiwillige aus der ganzen Welt) mit den Leitern ein paar Ausflüge zu den nahen Sehenswürdigkeiten und hatten zusätzlich noch ein Sprachtraining. Bevor wir uns alle verabschiedeten, trug sich jeder mit seinem Namen, der Stadt, Telefonnummer und E-Mailadresse in eine Tabelle ein, die dann für alle kopiert und ausgeteilt wurde.

Mit anderen EFD’lern Tarragonas (in Katalonien) habe ich zweimal die Woche Kastellanischunterricht. Außerdem nehmen zwei von ihnen mit mir am Katalanischkurs teil, der für diejenigen angeboten wird, die sich bereits gut auf Spanisch unterhalten können. Die Sprachkurse finden meistens nachmittags oder früh abends statt, weshalb ich an drei Nachmittagsaktivitäten des Altenheimes nicht teilnehmen kann/muss.

Insgesamt bin ich super glücklich in dem Projekt. Mir gefällt es richtig gut, die Fortschritte unserer Arbeit mitzuerleben.
Stell dir mal eine Omi vor, die schon sehr alt ist und sich kaum noch bewegen, geschweige denn reden kann und den ganzen Tag in ihrem Rollstuhl sitzt. Jetzt kommst du mit einem kleinen Hund auf dem Arm zu ihr und setzt ihn ihr auf den Schoß. Ihre verkrampften Finger fangen an, sich langsam zu lösen, um den Hund zu berühren und ihr starrer, nach oben gerichteter Blick fällt auf das Tier. Und dann schenkt sie dir ein Lächeln.

efdler_tarragona_juliane_03Oder du begleitest eine Omi, die noch laufen kann, aber ihre Problemchen damit hat, von A nach B zu kommen – seien es auch nur zehn Meter. Wenn du sie in ihrem Lieblingsstuhl Platz nehmen lässt, und sie dir mit strahlenden Augen 1000 mal Danke sagt und dich am liebsten abknutschen würde, fühlt sich die Arbeit dann nicht lohnenswert an??? Das waren jetzt nur Beispiele für die Hilfsbedürftigen. Die Bewohner all­gemein sind sooo liebenswert.
Außerdem habe ich die beste Chefin, die man sich vorstellen kann und auch das restliche Team des Heimes ist sehr nett. Es macht mir großen Spaß mit ihnen zu arbeiten und ich habe bei dem Gedanken, dass ich in ein paar Monaten wieder nach Deutschland zurückkehren werde, schon ein lachendes und ein weinendes Auge.

Aber jetzt genieße ich die Zeit, die mir hier noch bleibt. Es warten noch ein „Mid-Term“-Seminar im Süden Spaniens und viele andere Erfahrungen auf mich.
Auf jeden Fall möchte ich mich bei meiner „Entsende­organisation“ (Stuttgarter Jugendhaus gGmbH) und meiner „Aufnahme­organisation“ (Proa) herzlich für ihre Arbeit bedanken. Sie haben mir das ganze erst ermöglicht, erledigten das Bürokratische und sind immer für mich da, wenn ich eine Frage habe.

E-Mail: juliane_giersbergweb.de