San Lorenzo

efdler_san_lorenzo_01Natalie Steiner
aus Tübingen

Stadt/Land:
Borgo San Lorenzo, Italien

Aufnahmeorganisation:
ASSOCIAZIONE PROGETTO ACCOGLIENZA ONLUS

Projekttitel, Projektnummer:
Villaggio la Brocchi, 2008-IT-28

Bereich, Dienstzeit:
Minority rights, 10.09.08 – 10.07.09

Projekt:
The Village La Brocchi, purposeful to the accomplishment of the objectives of reception, accompaniment, integration of the foreign guests, is founded by the association “Progetto Accoglienza” onlus, which can take advantages from different kinds of collaboration. The Village wants to be also a choice of behaviour shared and oriented to the provosts objectives.

 

Ich bin für zehn Monate in Italien, genauer gesagt in Borgo San Lorenzo, einem Ort nördlich von Florenz in der Toskana. Mittlerweile bin ich seit gut einem Monat hier und habe mich hier auch sehr schnell eingelebt. Das Projekt, in dem ich arbeite betreut politische Flüchtlinge, ausschließlich Familien, und hilft ihnen, ihr Asyl zu bekommen. Die Familien wohnen solange in dem Projekt, bis sie Arbeit und eine Wohnung gefunden haben und ihr Asyl erhalten haben. Normalerweise dauert das sechs bis neun Monate und auch danach werden die Familien eine Zeit lang weiter betreut.

Meine Aufgaben bestehen im Moment darin, die jüngeren Kinder zur Vorschule zu begleiten, mit den Familien zum Arzt, zu Ämtern, etc. zu gehen, weil die Familien meistens keinen Führerschein haben und ihre Sprachkenntnisse für Behördengänge meistens nicht ausreichen oder auch einfach weil sie eine Begleitung brauchen, die sie kennen und der sie vertrauen. Das Projekt arbeitet noch mit verschieden anderen Organisationen zusammen und bringt sich außerdem in anderen sozialen Bereichen ein. So gibt es beispielsweise in Borgo San Lorenzo eine Einrichtung, die zweimal wöchentlich Essens- bzw. Kleiderspenden an sozial Schwächere verteilt. Daran beteiligt sich auch das Projekt in dem ich arbeite. Außerdem werden ab und zu in den Räumen, die zum Projekt dazu gehören, Aktivitäten für Kinder angeboten.

Der Schwerpunkt des Projekts und der gesamten Organisation liegt allerdings ganz klar in der Arbeit mit den Familien. Die Familien kommen aus allen möglichen Ländern. Im Moment leben hier Familien aus Afghanistan, Irak, Äthiopien und Nigeria. Mit mir zusammen sind noch zwei andere EVS-Freiwillige hier, mit denen ich auch zusammen wohne. Wir haben eine Wohnung im Projekt, aber nicht im gleichen Haus wie die Familien. Dafür, dass wir Freiwillige uns davor überhaupt nicht gekannt haben, klappt es überraschend gut – auch, wenn es natürlich immer mal wieder Diskussionen gibt. Bevor ich hierhergekommen bin, konnte ich kein Wort italienisch, außer vielleicht eine Pizza und einen Kaffee bestellen, aber durch die Arbeit und den Sprachkurs zweimal pro Woche lernt man total schnell, sich zu verständigen und lernt jeden Tag lauter neue Wörter. Mittlerweile verstehe ich so ziemlich alles und selbst sprechen klappt schon ganz gut, auch, wenn es manchmal noch etwas länger dauert, etwas zu erklären.

Ich hab versucht, mit so wenig wie möglich Erwartungen hierher zu kommen und alles so zu nehmen, wie es kommt, was eigentlich auch gut funktioniert. Natürlich sind hier viele Dinge anders als in Deutschland, oft ein bisschen chaotisch und manchmal erstaunlich umständlich, aber man gewöhnt sich schnell daran und es ist nicht unbedingt schlechter, nur eben anders. Die Menschen hier sind zwar nicht besonders pünktlich und nehmen die Arbeit auch lockerer als in Deutschland, aber dafür sind sie sehr hilfsbereit und offen. Da wir drei Freiwillige die ersten europäischen Freiwilligen in diesem Projekt sind, sind wir sozusagen die „Versuchskaninchen” und müssen uns vieles erst noch erarbeiten. Das ist zwar manchmal eine Art Herausforderung, aber auch sehr interessant.

Die Entscheidung, hierher zu kommen, war auf jeden Fall richtig, da ich hier fast jeden Tag neue Sachen erlebe und mich mittlerweile auch schon gut eingelebt habe.

E-Mail: natalie-steinerweb.de