Cluj Napoca

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Anne Riethmüller
aus Tübingen

Stadt/Land:
Cluj Napoca, Rumänien

Aufnahmeorganisation:
Youth Action for Peace Romania

Projekttitel, Projektnummer:
Youth for Community-Infocenter, 2008-RO-8

Bereich, Dienstzeit:
European awareness, gender equality. 15.12.2008 – 01.08.2009

Projekt: Its mission is the promotion of peace, tolerance, understanding between people and the development of the civil society based on the human rights.
The Yap-Ro activities are running at a national level, developing projects in towns and in rural areas as well as depending on the programs and the Partners (e.g., Bucharest, Alba region, Rosia Montana, Abrud). The majority of YAP actions are being developed in Cluj Napoca, the headquarter of Romanian branch.

 

Am 10. Dezember 2008 kam ich in Cluj-Napoca am Flughafen an. Dort erwartete mich eine junge Frau, Magda. Sie war von meiner Organisation Youth Action for Peace Romania und brachte mich zu meiner neuen Bleibe – ein großes Haus mitten in Cluj! Drei andere Freiwillige waren auch schon da: Gwendoline, eine Französin, Laia, eine Spanierin, und Franzi, eine Deutsche. Sie zeigten mir das Haus: Für’s erste mussten wir uns zu dritt ein Zimmer teilen. Meines hatte sogar einen Balkon. Außerdem gab es drei Badezimmer, eine Küche und ein Wohnzimmer, eine große Terrasse und zwei Büros. In dem einen arbeiteten zwei rumänische Mitarbeiterinnen, in dem anderen sollten wir später arbeiten.

Nachdem ich mein Gepäck verstaut hatte, nahmen sie mich gleich mit in das Stadtzentrum. Zu Fuß dauerte es ca. zwanzig Minuten und man musste durch einen schönen kleinen Park laufen. Die Stadt gefiel mir sofort mit ihren alten Häusern und den vielen jungen Leuten. In den nächsten paar Tagen verbrachten wir die meiste Zeit in der Stadt. Einige Tage später kamen dann noch zwei weitere Freiwillige, die gerade ihr On-Arrival-Training hinter sich hatten: Christin und Danaë, beides Deutsche. Und dann ging’s für uns andere vier auch schon los mit dem On-Arrival-Training in Predeal, der höchsten Stadt Rumäniens. Wir fuhren mit dem Zug dorthin, eine fünfstündige Fahrt durch die schöne rumänische Landschaft. Auf der Fahrt unterhielten wir uns mit einem alten rumänischen Mann. Die Rumänen, die ich in der kurzen Zeit dort kennen gelernt habe, sind alle sehr kontaktfreudig und offen.

Unser On-Arrival-Training war super: eine schöne kleine Stadt, in der noch Schnee lag und viele nette Leute. Das einzig komische war: außer uns waren alle bei ihrem Mid-Term-Training. Wir hatten also zu viert unser Training, was aber im Endeffekt nicht schlimm, sondern eher produktiv und absolut nicht langweilig war. Auf dem Rückweg hatten wir dann einen Franzosen im Schlepptau, den wir dort kennen gelernt hatten. Er flog am nächsten Morgen von Cluj nach Frankreich und schlief eine Nacht bei uns. Ein sehr interessanter und lustiger Mensch, mit dem wir an diesem Abend noch viel Spaß hatten. Zwei Tage später hieß es dann auch für mich in den Flieger steigen und Weihnachten in Deutschland feiern.

Als ich Anfang Januar wieder zurückkam, sollte ich anfangen zu arbeiten. Was ich mir vorgestellt hatte, war, dass ich direkten Kontakt mit rumänischen Kindern und Jugendlichen haben würde. Meine Arbeit bestand aber letztendlich darin, vier Stunden pro Tag vor dem Computer zu sitzen und Informationen über die soziale Unterstützung in Rumänien zu sammeln, was später auf eine Homepage gepackt werden sollte, die es bis jetzt immer noch nicht gibt. Wir waren alle sehr unzufrieden damit, weil wir nicht wirklich viel zu tun hatten. Am Anfang war es noch erträglich, aber nach zwei Wochen ging es uns allen gewaltig auf die Nerven. Als wir es der Verantwortlichen sagten, wusste sie auch keinen wirklichen Ausweg. Und unsere Chefin, die Präsidentin der Organisation, bekamen wir so gut wie nie zu Gesicht, obwohl sie auch in unserem Haus wohnte. Wir dachten alle, dass es besser werden würde und versuchten, uns in unserer Freizeit abzulenken. Wir erkundeten so gut wie jeden Tag die Stadt, aber irgendwann hat man alles gesehen. Zwei Mal die Woche ging ich mit Christin in einen Aerobic-Kurs (ich hasse Aerobic!) und abends waren wir meistens in irgendwelchen Bars oder Clubs. Cluj bietet in dieser Hinsicht viele Möglichkeiten.

efdler_cluj_napoca_02An einem Tag besuchten wir andere Freiwillige, die in einem Dorf 10 km entfernt von Cluj mit Roma zusammenarbeiten. Sie zeigten uns das Dorf und einige Häuser, die sie isoliert hatten. Während wir durch das Dorf liefen, kamen immer wieder Kinder angerannt und wollten spielen. Das war der Punkt, an dem ich merkte, dass ich genau so etwas machen wollte und total unzufrieden mit meiner „Arbeit” war. Es wurde immer langweiliger, teilweise blieb ich einfach im Bett liegen, anstatt mich ins Büro zu begeben. Da ich mit dem Sammeln von Informationen fertig war, las und schrieb ich viele Mails, spielte Spiele auf dem Computer und surfte im Internet.

Dass wir nichts zu tun hatten, war allerdings nicht das einzige Problem. Wir bekamen kein Geld, weil es irgendwo sozusagen feststeckte. Außerdem gab es keine Kommunikation zwischen der Präsidentin und uns. Das führte zu vielen Missverständnissen und kleineren Wutausbrüchen, so dass wir ein Gespräch vereinbarten. Dieses Treffen wurde dann zwei Mal verschoben, bis es endlich stattfand. Es war eher enttäuschend, weil wir gar nicht wirklich zu Wort kamen und wenn doch, dann immer von unserer Chefin unterbrochen wurden. Das fand ich so unverschämt, dass ich mich noch den ganzen Tag darüber aufregte. Da viele kleine Dinge vorgefallen waren und ich letztendlich das Gefühl hatte, diese Situation nicht mehr länger ertragen zu können, beschloss ich, meinen EFD abzubrechen und mir eine andere, für mich bessere Alternative zu überlegen. Natürlich war die Präsidentin nicht glücklich und versuchte noch, mich zu überzeugen, aber für mich war es die richtige Entscheidung und ich flog am 14. Februar wieder nach Hause.

Alles in allem kann man sagen, dass ich eine Zeit mit vielen Höhen und Tiefen in Rumänien erlebt habe. Das Land und die Menschen dort haben mir sehr gut gefallen und ich möchte auf jeden Fall wieder einmal dorthin.

E-Mail: zizou89web.de