Athen

Elena KaufmannElena Kaufmann
aus Bahlingen am Kaiserstuhl

Stadt/Land:
Athen, Griechenland

Aufnahmeorganisation:
SOCIAL COOPERATIVE ACTIVITIES FOR MINORITY GROUPS – “EDRA”

Projekttitel, Projektnummer:
Looking ahead, 2007-GR-47

Bereich, Dienstzeit:
Disability, Health. 01.10.2008 – 01.09.2009

Projekt: The social organization “EDRA” constitutes a Mental Health Unit that develops community activities on such issues. Our main aim and attachment is the promotion of social health in terms of prevention, education, rehabilitation and re-integration through cooperation with interested parties, i.e. parents, schools, private and public services.

 

Nun bin ich hier, hier in Athen, der Hauptstadt von Griechenland, mittendrin, in meinem EVS und mittendrin im Leben! Doch bis zu diesem Zeitpunkt war’s nicht immer ganz einfach.

Die Phase zwischen konkreter Entscheidung, den Europäischen Freiwilligendienst zu machen und mit dem Flugzeug durchzustarten, in einen neuen Lebensabschnitt, war geprägt von unendlich vielen Motivationsschreiben, Lebensläufen und Projektbeschreibungen. Doch es lohnt sich!

Ich gehe ins Ausland! Ja, das wusste ich schon länger, aber konkret für den Europäischen Freiwilligendienst habe ich mich im Dezember letzten Jahres entschieden. Doch, was ist eine Entsendeorganisation, ein Aufnahmeprojekt und wieso kostet mich das Ganze nichts?! Ja, ich habe lange, aber ohne „Erfolg“ nach einem Haken gesucht…

Die Suche nach einer Entsendeorganisation war einfach, da hatte ich mit meinem Aufnahmeprojekt schon mehr Probleme. Viele Projekte, die ich angeschrieben habe, haben sich erst gar nicht gemeldet oder es kam erst auf eine zweite Anfrage eine Rückmeldung. Es ist wirklich ermüdend, denn man schickt sämtliche Motivationsschreiben und unzählige Lebensläufe, füllt etliche Fragebögen aus, um nicht einmal eine Antwort zu bekommen. Meine Deadline war der 1. Juni, und Ende Mai hab ich eine Zusage von meinem Projekt bekommen. Damit war die Warterei aber noch lange nicht zu Ende… Noch musste ja die EU das Ok geben. Ende August kam dann auch die Zusage von der EU und mein EVS stand fest. Es war ein Wechselspiel der Gefühle, plötzlich ging alles ganz schnell: Das Ausreiseseminar in Weimar, die abgeschlossene Versicherung, der gebuchte Flug. Vieles musste geregelt werden und wirklich realisiert hab ich das Ganze erst am Tag meiner Abreise…

Am 30.09.08 bin ich hier angekommen. Raus aus dem behüteten Leben „Zuhause“. Raus aus der elterlichen Obhut. Weg von Freunden, Bekannten, Familie. Rein in ein neues Leben, von dem ich keine Ahnung hatte, was mich hier erwartet. Ich wusste nur total praktische Dinge: Wie ich lebe, wo ich arbeite und was ich arbeite. Mehr nicht … und wenn ich mir das so überlege, kam doch alles ganz anders als in meinen Vorstellungen.

frei_elena_kaufmann_2Mich erwarteten eine 3-Zimmer-Wohnung im Herzen Athens und drei Mitbewohner: aus Maze­donien, Spanien und Finnland. Später kam dann noch Jana aus Tschechien hinzu. Internationale WG mit kulturellen Unterschieden, Problemen und Zusammen­halt. Die Wohnung war zuerst ein kleiner Schock und auch die große Stadt war zu viel für mich. Ich wollte nur noch weg. Doch nun habe ich mich eingelebt, die Wohnung gefällt mir inzwischen total gut und auch das „Zimmer teilen“ ist kein Problem mehr.

Vom 6.10 – 11.10. (also bereits eine Woche nach meiner Ankunft hier) hatten wir ein „On-arrival Seminar“, an dem alle neuen Frei­willigen aus ganz Griechen­land teilgenommen haben. Wir waren in einem Hotel hier in Athen untergebracht, hatten ein super Programm und leckeres Essen. Das Wichtigste war, sich mit anderen Freiwilligen auszu­tauschen und kennenzulernen, zu merken, dass man nicht alleine ist und es viele andere gibt, denen es genauso geht, weit weg von „Zuhause“. Zuhause setze ich deshalb in Anführungszeichen, weil mein Zuhause jetzt hier ist und Deutschland eben ein anderes „Zuhause“ ist.

Ich arbeite fünf Tage pro Woche in einem Wohnheim für Behinderte, jeweils vier Stunden. So kann das Leben eines Freiwilligen aussehen, muss es aber nicht. Ich kenne auch andere Freiwillige, die sieben Stunden pro Tag arbeiten… aber der Normalfall ist, dass man mehr Freizeit hat (zumindest hier in Griechenland). Denn EVS heißt nicht „arbeiten“ in dem Sinne … es heißt „kulturelles Lernen“. Da ist es genauso wichtig zu lernen, dass man hier Frappé trinkt und nicht normalen Kaffee. :)

Zu den rechtlichen Dingen, die einen EVS Volunteer interessieren:
Man hat grundsätzlich 2,2 Tage pro Monat Urlaub. Das heißt, wenn ich meinen Freiwilligendienst 10 Monate lang mache habe ich 22 Tage Urlaub. Wie das mit den Urlaubstagen gehandhabt wird, ist unterschiedlich. In machen Organisationen eben strenger, während andere auch mal ein Auge zudrücken, wenn man das „Gastland“ erkunden möchte.

So lebe ich hier, in einer Stadt, in der immer etwas los ist. Was am Anfang schockierend und seltsam war, fange ich nun an zu lieben. Vieles, was am Anfang schier unmöglich erschien, habe ich bereits gemeistert. Ja, es gab Tage, an denen ich einfach nach Hause wollte, aber diese Phase habe ich überstanden und nun kann ich die Zeit hier genießen und ich freue mich auf die nächsten Monate und habe schon jetzt das Gefühl, nicht lange genug hier sein zu können … Naja … den Großteil hab ich ja noch vor mir. Ich lächle, wenn ich daran denke. :)

E-Mail: kaufmann.elenaweb.de
Blogspot: vanilleschote.blogspot.com