Antalya

Annika Meder
aus Weil der Stadt

Stadt/Land:
Antalya, Türkei

Aufnahmeorganisation:
Atatürk Bulvari Sogucaksu Mh. Tabsem Isletmeleri

Projekttitel, Projektnummer:
ANTGED-Antalya Gençlik ve Eðitim Derneði, 2007-TR-17

Bereich, Dienstzeit:
Rehabilitationszentrum für (hauptsächlich) geistig behinderte Menschen, 01.10.2010 – 31.05.2011

Projekt:
Coming Soon

 

Seit fast fünf Monaten lebe ich nun in der Region in der viele (insbesondere Deutsche) ihren Urlaub verbringen.

In meinem Freundeskreis gab es darüber viele Spötteleien, ob ich denn nur am Strand liegen möchte…. Ich habe absolut Glück – meine Wohnung liegt nur zehn Minuten vom Strand entfernt… Doch leider scheint in Antalya nicht nur die Sonne, und das kann ich auch über mein EVS sagen.

Ich arbeite in einem privaten Rehabilitationszentrum für (hauptsächlich) geistig behinderte Menschen.
Aufgrund einiger pädagogischer Vorerfahrungen war es mein Ziel, in Austausch mit den anderen Pädagogen zu kommen und das staatliche Behindertensystem kennenzulernen. Doch leider wurde ich darüber sehr schnell ernüchtert. Ein Hauptgrund hierfür war die sprachliche Barriere.
Den größten Teil meiner Arbeitszeit (6 h / Tag) verbringe ich im Gruppenraum. Dort sind je nach Wochentag bis zu zwölf Menschen im Alter von sieben bis 26 Jahren mit den unterschiedlichsten Behinderungen. Das war insbesondere zu Beginn eine große Herausforderung. Ich hatte das Glück, dass ich zuvor schon Grundkenntnisse der türkischen Sprache besaß. Ich empfinde großen Respekt vor meinen Mitfreiwilligen, da diese trotz weniger Sprachkenntnisse tolle Arbeit leisten. In der Gruppe führen wir verschiedene Aktivitäten durch, z.B. kreativ Angebote, Einführung in Geometrische Formen und Vermittlung von Grundkenntnissen der Mathematik, einfache Sätze schreiben, singen…
Besondere Freude bereitet mir der Heimfahrdienst, der die Gruppenteilnehmer in die bis zu 40 km entfernten Dörfer bringt. Das zeigt mir dann ein anderes Antalya, nicht die schöne Altstadt, die berühmten Ruinen und tollen Buchten. Das sind teilweise richtig arme Dörfer mit vielen, vielen Gewächshäusern, die den Familien das Überleben sichern. Zuvor dachte ich, dass die Tomaten, die wir im Winter essen, aus Spanien kommen. Nun weiß ich, dass ein großer Teil von Antalya eingeführt wird.

Ich wohne gemeinsam mit fünf Freiwilligen in einer phantastischen Wohnung mit vier Balkonen. Ein Traum! Doch leider kann es in Antalya auch viel regnen und es kann auch sehr kalt und feucht werden. Die Balkone sind super, doch es gab viele Augenblicke, da hätte ich mir lieber eine Heizung gewünscht. Wir heizen unsere Zimmer mit Heizlüftern und wenn das nicht ausgereicht hat, hieß es, eine weitere Schicht Kleidung anzuziehen. Meine Mitbewohnerinnen sind super. Aus Polen, Lettland, Spanien und Frankreich kommen sie. Das ist eine weitere spannende Sache, da wir alle von verschiedenen Kulturen geprägt sind. Unsere Spanierin würde am liebsten erst um zwei Uhr morgens ausgehen, da das in Spanien so Sitte ist. Weil hier das Nachtleben so um drei Uhr zu Ende ist, ist das nicht durchführbar.
Ich könnte noch viele solche kleinen Beispiele bringen, über welche wir im Nachhinein lachen, doch zu Beginn sah das Ganze etwas anders aus und barg viel Konfliktpotenzial.

Wer ein EVS machen will, muss bereit sein, sich auf absolut Neues einzulassen. Gerade komme ich von meinem Mid-Term-Training zurück und mir ist aufgefallen, wie viele Mit-Freiwillige unzufrieden mit ihrem Projekt sind. Eine große Portion von Frustrationstoleranz ist (insbesondere in der Türkei) nötig. Die Menschen sind sehr nett und freundlich und versprechen einem alles, doch ob das Versprochene eingelöst wird, ist eine andere Sache. Eine für mich wunderschöne Tradition nehme ich mit nach Deutschland: Egal wie stressig alles ist, es ist immer noch Zeit für einen „Cay“.

E-Mail: nicht vorhanden